Endlich Irland
Endlich Irland!
oder: Wie wir uns die längste Küstenstraße erfahren haben oder: Die Landschaft von halb Europa auf einer Insel oder: Das No Problem Land
Wir hatten schon einmal eine Reise auf die grüne Insel geplant - im Jahre 2020, alles war eingefädelt, der Chef war zu einem extra langen Urlaub überredet worden, inkl. Resturlaub der eigentlich gar nicht so lange aufgehoben werden durfte, die Fähre war gebucht und bezahlt .... und dann kam ein kleiner Virus daher und spuckte uns allen gewaltig in die Suppe …. und das Abenteuer Irland wurde abgesagt.
Drei Jahre später, neuer Anlauf. Einen extra langen Urlaub musste ich nun nicht mehr zusammenkratzen, da ich ja nun als Pfleger im eigenen Haushalt ohnehin mit der Chefin zusammen unterwegs bin. Die Fähre ist inzwischen etwas teurer, dafür können wir die Fährtermine jetzt so legen, dass der Aufpreis nicht so hoch wird (da kann eine Woche mehr einen deutlichen Unterschied machen). Und so planen wir unsere Reise noch viel länger als drei Jahre zuvor - 8 Wochen (minus einen Tag) wollen wir uns auf der Insel rumtreiben.
Eines der wichtigsten, nein, eigentlich DAS wichtigste Ziel auf dieser Reise lautet:
Motorradfahren! Der Wild Atlantic Way soll unser Leitfaden sein - zumindest für einen großen Teil unserer Tour. Daneben stehen dann noch solche "Kleinigkeiten" wie irisches Bier und irischer Whisky auf dem Programm und natürlich alles, was man sonst so in einem fremden Land interessant findet: Landschaft, Städte, Kultur und Historie - vor allem aber die Menschen.
In Cherbourg entern wir das Boot und dann werden wir sehr früh geweckt - um 6 Uhr in der
Früh ist die Insel erreicht und ich muss mich mal wieder an das Fahren auf der "falschen" Seite gewöhnen. Die erste Station wollen wir ruhig angehen und suchen uns etwas, was wir weit ab vom Trubel vermuten. Und tatsächlich erweist sich St. Mullins als genau der richtige Start für uns. Ein kleines verschlafenes Nest - aber es gibt ein nettes Café und ein Pub - so gehört sich das schließlich. Wir stehen direkt am Fluss und kommen schnell mit den Anglern ins Gespräch - vor allem, als diese unser Rollergespann sehen. Wir werden in Irland noch sehr oft erleben, dass wir damit für Aufsehen und Begeisterung sorgen - Motorradgespanne sind hier offenbar noch seltener als sonst wo, mit einem UFO könnte man nicht mehr auffallen.
Die Frage, ob man ein Foto davon machen dürfte, sollte dann zu unserem ständigen Begleiter werden. Und wir erleben die Iren als freundliche und sehr kontaktfreudige Menschen - immer wieder - und irgendwie scheint hier alles kein Problem zu sein, der Spruch "No Problem" ist allgegenwärtig, und kam auch, als wir höflich fragten, ob wir hier übernachten dürfen. Was uns noch am Fluss auffällt: man erlebt hier immer noch die Gezeiten, der Fluss hat einen deutlichen Ebbe-Flut-Stand, das ist für uns Landratten schon eine kleine Überraschung, das so weit im Landesinneren noch zu erleben (wobei "weit" nur für irische Verhältnisse gilt). Eine weitere Überraschung ist, dass der Ort eine durchaus beachtenswerte Historie aufzuweisen hat, mit Wikingern und mittelalterlichen Schlachten und ein ehemaliges Kloster.
Mit dem Roller geht die erste Tour nach Kilkenny (oder Cill Chainnigh - wie es irisch heißt). Kilkenny? Wie das Bier? Ja genau! Und das ist dann auch eines unserer Ziele in der Stadt: die Smithwicks-Brauerei. Aber zuerst müssen wir dahin - und der Weg führt über kleine Straßen, die von hohen Hecken eng eingefasst sind. Das erschwert den Überblick und man muss aufpassen, damit man bei Gegenverkehr rechtzeitig ausweichen kann - zum Glück hält sich der Verkehr in Grenzen. Die Streckenführung ist recht abwechslungsreich und wir lernen schnell, dass Ausschilderungen nicht so die Stärke der Iren ist - zumindest, wenn man sich auf den kleinen L-Straßen bewegt. Leider sind in unserer Karte nur die R-/N-/M-Straßen bezeichnet - die vielen L-Straßen sind da namenlos - an der Straße selbst sind die L-Nummern aber oft die einzige Beschilderung (später an der Westküste sind es dann die irischen Ortsnamen, die man sich dann erst einmal raussuchen muss). Kilkenny ist trotzdem zu finden und so reiten wir ein und suchen erst einmal einen Parkplatz - nicht leicht, wenn man sich noch nicht auskennt nach was man suchen muss. Aber schließlich finden wir einen Behinderten-Parkplatz - genau das, was wir brauchen. Und so sehen wir uns die Stadt an und finden sie ganz hübsch. Immerhin ist Cill Chainnigh "Countystadt" und hat in unserem Autoatlas sogar einen Stadtplan. Aber alles ist übersichtlich, die Stadt ist nicht wirklich groß.
Und so finden wir nicht nur eine wirklich ansehnliche Kneipenmeile, sondern auch das Schloss und den interessanten Markt .... und natürlich auch die Brauerei, in der wir uns dann auch gleich einer Führung anschließen. Etwas schwierig ist es, dem englischen Text zu lauschen, da der Führer sehr schnell spricht - aber die wichtigsten Punkte werden in einem Video und einer sehr amüsanten Präsentation über "lebendige" Bilder präsentiert, die deutlich verständlicher sind, .... und die Erklärungen wie man Bier herstellt, haben wir auch in Deutschland schon mehrfach gehört. Zum Abschluss gibt es noch für jeden von uns ein Pint, wir entscheiden uns für das Pale Ale und das Cream Ale - eine gute Entscheidung. Und dann wird uns noch ein neues Bier in kleinen Probiergläsern zugespielt - das erweist sich als stark gehopftes IPA - ich darf beide Gläschen austrinken.
Das Bier muss verarbeitet werden, bevor wir uns auf den Rückweg machen und so holen wir uns noch eine Kleinigkeit zum Essen - Sandwich und Wrap beim Bäcker - beides lecker. Und am Abend gehen wir in St. Mullins wie am Vortag in den Pub - irgendwie kann man in Irland da nicht vorbeigehen. Dabei treffen wir Sue, die Bedienung aus dem Café, das leider schon geschlossen hatte, als wir von unserem Ausflug zurückkamen, und Sue verspricht uns für den nächsten Tag dann dafür zu sorgen, dass wir auch kurz vor Schluss noch, was zu Essen im Café bekommen werden. Auch dafür ist ein Pub-Besuch wichtig: man trifft dort die entscheidenden Leute.
Der nächste Tag soll dann ein reiner Motorradfahrtag werden und wir nehmen uns die „Schwarztreppenberge" vor. Es wird eine Ausfahrt so richtig nach unserem Geschmack. Am Anfang haben wir noch die Straßen mit den hohen Hecken oder auch Mauern, später geht es durch Bäume, die uns wie Tunnel einschließen und in den Bergen haben wir dann ein regelrechtes Highland-Gefühl mit Cattle-Grids, weiten Blicken und einer Straße, die sich am Berg entlangwindet. Und das alles bei noch weniger Verkehr als wir es in Schottland erlebt hatten.
Wir kommen rechtzeitig von unserer Runde zurück, ich kann sogar noch den Roller einpacken und dann sitzen wir pünktlich im Café und Sue serviert uns Brot und Wrap und wir sind satt und zufrieden mit uns, unseren Erlebnissen vom Tag, dem Wetter und den netten Leuten .... aber natürlich führt uns der Weg am Abend noch in den Pub, wo wir dann auch noch einmal auf Sue treffen und unser Pint - natürlich Smith Wicks - trinken.
Wenn wir schon beim Alkohol sind, können wir uns auch gleich noch die härteren Sachen vornehmen und schauen uns in Mainistir na Corann (englisch Midleton) die Jameson Distillery an. Die Herstellung kennen wir schon aus Schottland, es gibt aber ein paar Unterschiede und natürlich hat jede Brennerei so ihre Besonderheiten - diese hier hat die wohl größte Brennblase überhaupt und auch ein richtig großes Wasserrad, dass noch bis Mitte des 20. Jahrhunderts alle Maschinen in der Brennerei angetrieben hat - schon beeindruckend.
Nun sollten wir uns aber langsam mal an den Wild Atlantic Way machen und so ist unser nächstes Ziel der südliche Startpunkt desselben: Cionn tSáile. Der Ort ist vielschichtig, mit einem Hafen und natürlich einer ansehnlichen Sammlung an Cafés und Pubs - und einer Tourismusinformation, in der wir uns mit Material eindecken können.
Und endlich sind wir auf dem Wild Atlantic Way unterwegs. Die Iren preisen ihn als die längste touristische Küstenstraße an - aber eigentlich ist er eine Sammlung verschiedenster Straßen. Uns interessieren vor allem die kleinen Straßen möglichst nah am Wasser entlang und so verlassen wir den Ort Richtung Südwest auf eben diesem Way, der auch gut markiert ist - an der Stelle lassen sich die Iren dann nicht lumpen. Auch wenn die Ortsnamen der nächsten Orte nicht immer ausgeschildert sind, das Zeichen "Wild Atlantic Way" weist einem den Weg.
Zuerst geht es auf nach Old Head, die Straße wird zum Ende immer schmaler und kurviger - und endet dann vor einem Mann, der uns klar zu verstehen gibt, dass es hier nicht weiter geht - jedenfalls nicht für uns. Das ist schade, aber auch an der Stelle ist es schön, wir stehen vor einer etwas verfallenen Mauer, die sich über die ganze Halbinsel (die an der Stelle aber nur sehr schmal ist) zieht und ringsum wilde Natur. Wir fahren wieder ein Stück zurück (an vielen Stellen besteht der WAW aus Sackgassen) und nehmen Kurs auf die nächste Halbinsel Galley Head. Auf dem Weg dahin kommen wir an mehreren sehr schönen Sandstränden vorbei und an einem beobachten wir einen Kite-Surfer mit einem Landboard (also eine Art Radkarren), der auf dem festen Sand seine Runden dreht. Wie sich dann herausstellte, ist es ein Ungar, der sich hier dem Wind stellt.
Die Straße wird am Ende noch kurviger und enger und unübersichtlicher - aber sie ist sehr schön zu fahren und sie endet wieder vor einem Tor, an dem es für uns nicht mehr weiter geht. Das Meer hat sich hier "zackig" ins Land eingearbeitet, sehr schön anzusehen und man könnte hier stundenlang wandern gehen ... aber nicht mit dem Rollstuhl und so belasse ich es bei einem ausgedehnten Spaziergang mit der Kamera, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Als Abendessen gibt es diesmal Wrap und Crêpe am alten Milchmarkt und das Bier lassen wir uns im Grey Hound Pub schmecken.
Weiter im Westen werden die Halbinseln größer - und das soll unser nächstes Ziel sein. Wir entscheiden uns für Beantraí und stehen an einem Hotel. Im Hotelpark finden wir eine Sammlung von Wohnungen für das "kleine Volk" - natürlich, wir sind in Irland, Feen und Kobolde sind hier allgegenwärtig, da muss es ja auch die passenden Wohnungen geben. Die Stadt selbst hat wieder einiges an Geschichte zu bieten, bis hin zu Seeschlachten im Hafen der Stadt, damit könnte man sich sicher beschäftigen - aber wir sind ja zum Motorradfahren hier. So kommt wieder der Roller zum Einsatz und wir nehmen uns die Halbinseln Sheep und Mizen vor. Wie schon gewohnt begannen die Wege mit fast normal breiten Straßen, die zum Ende hin immer schmaler und gewundener wurden. Noch mehr als am Anfang führten die Straßen hier direkt am Wasser entlang - oder auch mal etwas weiter weg, dafür höher, so dass man schön auf das Wasser und dann auch schon wieder auf die Nachbarhalbinsel blicken kann.
Besonders die Straße zum Sheep's Head war wieder sehr schmal und gewunden, es machte Spaß, ihr zu folgen. Danach ging es wieder ein Stück auf der gleichen Straße zurück, was hier auf diesen Wegen alles andere als ein Fehler ist und dann auf der anderen Seite der Halbinsel so weit zurück, bis wir auf die nächste Halbinsel abbiegen konnten. Diesmal ist die Straße bis zum Endpunkt besser ausgebaut - trotzdem muss man auch hier beim Gegenverkehr aufpassen - einmal musste dieser dann auch zurückfahren (No Problem), damit wir aneinander vorbeikamen. Und überhaupt sind hier deutlich mehr Fahrzeuge unterwegs und wir sind froh, dass wir im Mai hier sind - nicht auszudenken, was hier im Juli los sein wird.
Mizen Head ist aber am Ende die landschaftlich spektakulärere Halbinsel mit einem kleinen Museum und der Möglichkeit für einen längeren Spaziergang bis zur Signalstation. Auf der Rückfahrt entdecken wir dann noch einen kleinen Steinzeitaltar und kürzen dann noch über die Halbinsel etwas ab - was sich als Glücksgriff erweist, finden wir so einen netten, kleinen Pass (der gar nicht als solcher ausgeschildert ist) und haben so ein neues Erlebnis hier - und das bei wieder nahezu keinem Verkehr.
Der letzte Ausflug ging nach Süden, der nächste führt dann auf die nördliche Halbinsel:
Beara. Wir steigen an der Südflanke ein und wieder ist die Streckenführung nicht sehr anspruchsvoll, wir entscheiden uns dem Ring of Beara nicht direkt zu folgen und wechseln auf die Nordseite. Der Pass, den wir dazu überqueren müssen, ist gerade einmal 300 m hoch - allerdings ist die Halbinsel an dieser Stelle keine 10 km breit. Und wieder haben wir einen neuen Eindruck in Irland: hier erinnern die Landschaft und die Streckenführung schon fast an die Alpen.
Im Norden halten wir uns dann an den Ring of Beara, der hier über sehr schmale Straßen führt und immer wieder dicht an bzw. "über" der Küste entlangführt. Die Strecke gleicht einer Achterbahn, es geht immer wieder steil auf und ab, gewürzt mit vielen Kurven. Der Verkehr hält sich in Grenzen, aber die Strecke ist so schmal, dass wir selbst bei Motorrädern im Gegenverkehr anhalten müssen - das soll uns auch in der Folge immer wieder mal passieren. Es gibt eine Vielzahl von Buchten und größeren oder kleineren Halbinseln, die Strecke führt mal direkt an der Küste entlang und mal kürzt sie über eine der kleinen Halbinseln ab. Wir folgen dem Wild Altlantic Way bis an die Spitze und stehen vor der berühmten Seilbahn, wo Tiere Vorrang vor Menschen haben. Leider wird hier gerade gebaut, die Seilbahn deshalb nicht im Betrieb. So genießen wir nur die Aussicht und folgen dann an der Südflanke dem Ring of Beara.
Wir entscheiden uns, den Ring of Kerry von Beantraí aus zu fahren. Was für mich eine gute Entscheidung darstellt, darf ich doch die "Zubringeretappen" fahren, was immerhin mehr als ein Drittel der Tagestour ausmacht. Und die hat es durchaus in sich. Wir folgen dem "Inlandteil" des Rings of Beara über einen schönen Pass mit wieder alpiner Anmutung und einem großen und mehreren kurzen, unbeleuchteten Tunneln als Dreingabe. Obwohl die Straße als N71 ausgeschrieben ist, ist sie streckenweise kaum mehr als ein Singletrack, was entsprechende Aufmerksamkeit erfordert.
Kurz nach dem Einstieg in den Ring of Kerry verlassen wir diesen schon wieder und fahren durch das Black Valley. Das erweist sich mal wieder als goldrichtig, die Strecke ist ganz nach unserem Geschmack, klein, kurvig und sehr einsam. Abgesehen von ein paar Campern, die am Fluss stehen, begegnen wir niemanden in dem Tal ... oder doch: Schafe sehen wir immer wieder, auch auf der Straße - da kommt man sich schon wieder wie in Schottland vor.
Aus dem Tal raus führt uns die Gap of Dunloe wieder nach oben und wieder ist die Straße so schmal, dass wir bei Motorradgegenverkehr anhalten müssen. Die Passhöhe hat, obwohl lediglich 240 m hoch, auch wieder Anklänge an die Alpen. Danach ist es leider mit der Einsamkeit vorbei, uns kommen jede Menge Pferdekutschen entgegen und die Straße ist so eng, dass dieses Mal ich an einer Stelle mit "No Problem" dran bin und das Gespann zurückschieben muss, da auch die Kutschen keinen Rückwärtsgang haben. Der Weg vom Pass nach unten erinnert uns mal wieder an eine andere Gegend, die wir schon kennen: diesmal die Picos de Europa in Spanien. Kurz nach dem Gap schwenken wir auf den Ring of Kerry ein und erleben eine touristisch gut ausgebaute Straße. Das hat alles seinen Reiz und die Landschaft ist schon sehr interessant - aber diese breiten, für Busse und Wohnmobile ausgebauten Straßen sind nicht so ganz nach unserem Geschmack (sagt einer, der quasi im Wohnmobil lebt). Von daher fällt der eigentliche Ring etwas ab gegenüber dem, was wir bisher schon erlebt haben, und enttäuscht uns ein wenig. An wenigen Stellen kann man allerdings noch sehen, dass die ursprüngliche Straße eher so war, dass sie uns gefallen hätte - aber natürlich sind die Iren daran interessiert, möglichst viele Touristen zufrieden zu stellen, um von dem Tourismus auch leben zu können - insofern sogar verständlich.
Wir aber bevorzugen doch die etwas schmaleren Straßen und zweigen vom Ring ab in dem wir mal wieder einem Schild des Wild Atlantiv Way zu einem schönen Strand folgen. Der Way hat hier nur eine Sackgasse - die Straße geht aber - deutlich schmaler - weiter und wir folgen ihr und haben sie wieder gefunden, die kleine, einsame Straße, die sich eng durch die Landschaft windet.
Nicht verpassen sollte man den Abstecher nach Valentia Island zu der uns eine Fähre bringt. Hier surfen wir wieder auf kleinen Straßen erst entlang der Küste zu einem Aussichtspunkt und dann durch die Insel und schließlich um das andere Ende herum bis zur Brücke, die uns dann zu einer Halbinsel der Halbinsel Kerry bringt. Wir sind im Skellig-Gebiet - naja, eigentlich sind die Skelligs ja vorgelagerte Inseln, aber hier heißt alles Skellig - auch der Skellig Ring - auf dem wir jetzt unterwegs sind. Wie die Halbinsel selbst der Halbinsel Kerry vorgelagert ist, ist auch dieser Ring an dem Ring of Kerry quasi "angedockt" - und es ist nicht nur der kleinere, sondern auch der interessantere Bruder des großen Rings. Und gleich zum Beginn haben wir den Anstieg zum Coomanaspic in immerhin 220 m Höhe mit weiter Aussicht über Land und vor allem auf die See. Die weitere Streckenführung erinnert dann mal wieder an eine völlig andere Gegend: der Straßenbelag ist eher schlecht, die Straße wird von niedrigen Begrenzungsmäuerchen flankiert und die Strecke führt hoch an der Steilküste entlang - so haben wir auch die Westküste von Korsika in Erinnerung.
Eine nette Überraschung
Eine nette Überraschung so zwischendurch ist die Skelligs Chocolate Company, bei der wir uns erst einmal durchs Angebot testen - alles lecker, aber wir bleiben standhaft - Süßkram haben wir noch genug eingelagert.An der Südküste wird der Ring of Kerry noch einmal interessant und führt in netten Kurvenkombinationen an der Küste entlang, hier weiß er auch uns zu gefallen. Gegen Ende wird es für uns dann aber wieder etwas langweiliger - aber inzwischen haben wir schon so viele neue Eindrücke aufgenommen, dass uns das sogar entgegenkommt und schließlich ist der Tag auch schon weit fortgeschritten und wir wollen dann doch wieder nach Hause. Wir wechseln wieder die Plätze und ich habe noch einmal das Vergnügen, uns über den Landteil des Beara-Rings zu fahren, macht auch in der Gegenrichtung ordentlich Spaß.
Da der Tag doch recht lang war, beschließen wir den Abend mit einem Essen in der Hotelbar - und natürlich dem passenden Bier dazu. So kann man es aushalten.
Wir verlegen mal wieder unseren Wohnsitz nach Norden und landen in Blennerville, an die Basis der Dingle-Halbinsel, die wir uns als nächstes vorgenommen haben. Wir finden einen Platz an der historischen Windmühle, DEM Wahrzeichen von Blenerville - und nebenbei sehr sehenswert. Wir erleben eine großartige Führung und schauen uns die interessantem Modelleisenbahnanlagen an - mit witzigen Details, die schon ein ganz klein wenig an das Miniatur Wunderland in Hamburg erinnern. Die Frage ob wir hier übernachten können, wird wieder mit einem "No Problem" beantwortet und das Beste an dem Platz: gleich gegenüber ist der Pub - Abendbier ist gesichert.
Wir fahren eine Acht. Auf der Dingle-Halbinsel ist das auch kaum anders möglich, alle Wege kreuzen sich im Ort Daingean Uí Chúis (Dingle), also wird dieser Ort für uns zum Dreh- und Angelpunkt .... und am Ende zum Ort für die Teepause, aber ich greife vor. Wir starten an der Windmühle und finden erst einmal eine recht langweilige, weil gerade Straße durch die Ebene. Etwas Abwechslung bringt die nördliche Dünen-Halbinsel (es gibt auch noch ein südliches Gegenstück). Die Fahrt durch die Dünen ist interessant, es gibt sehr schöne Strände und die Dünen sind schon ansehnliche Hügel entlang der Strecke.
Etwas weiter gibt es dann eine interessante Stichstraße zum Brandon Point, von hier gehen noch Wanderwege weiter, nichts für uns, sieht aber interessant aus, genauso wie der Blick fast senkrecht ins Meer hinab. Das nächste Highlight ist der Conor Pass mit über 450 m Höhe, der höchste Pass auf dem gesamten WAW und schon ordentlich auf so einer schmalen Halbinsel - für Fahrzeuge über 3 t bzw. mehr als 1,80 m Breite ist die Straße gesperrt - und das völlig zu Recht. Am Pass wird es wieder sehr alpin und wir fühlen uns fast wie in Südtirol. Wir treffen das erste Mal auf Daingean Uí Chúis und durcheilen es, ohne anzuhalten und nehmen die Runde hinter dem Ort in Angriff, clockwise, wie es hier heißt. Der Südabschnitt erinnert mal wieder an die nördliche spanische Mittelmeerküste, an der wir eine ganz ähnliche Küstenstraße gefahren sind. Und für die Kultur finden wir noch die Reste einer prähistorischen Siedlung, die ich mir mal wieder allein ansehen muss, weil die prähistorischen Siedler gemeinerweise noch nicht an Rollstühle gedacht haben. Von hier aus hat man auch einen sehr interessanten Blick rüber auf die Halbinsel Kerry, auf der wir uns ja zwei Tage vorher herumgetrieben haben.
Wir finden noch ein paar schöne Ausblicke auf die vorgelagerten Inseln und kommen dann wieder in Daingean Uí Chúis an, wo wir uns dieses Mal einen Parkplatz suchen und eine kleine Stadtrunde unternehmen. Dabei erweist sich meine Kleidungswahl als nicht optimal, war es doch am Morgen noch trüb und das Wetter erweist sich nun doch als schweißtreibender als gedacht.
Zur Belohnung gibt es ein Chocolat-Whiskey-Ice und später Tea und Brownie. Leider ist Sonntag und daher die Dingle Whiskey-Brennerei geschlossen
Auf der Rücktour suchen wir uns noch eine kleine, schmale Straße als Alternative zur N-Straße heraus, verpassen dort aber einen Abzweig und kommen so schneller als geplant wieder auf die N-Straße, die sich aber als weit weniger langweilig als befürchtet erweist - wir finden sogar noch einen schönen Aussichtspunkt. Abends gibt es wieder Cidre und Ale im Pub, der Barkeeper stutzt nur kurz, weil ich ein anderes Bier wähle - ja als Alien ist man schon am zweiten Abend bekannt in so einem kleinen Ort.
Kleine Unterbrechung, wir machen mal einen auf Stadttouristen und sehen uns Luimneach (bei uns eher als Limerick bekannt) an. Wir erleben eine quirlige, moderne Stadt, schauen uns Kathedrale Saint Mary (ja klar, da kommen wir nicht drum rum) an, die auch mit Rollstuhl gut zugänglich ist und scheitern genau damit am Castle - das eben nicht mit dem Rollstuhl zugänglich ist. Die Stadt selber hat durchaus Flair und natürlich auch jede Menge Bars und Cafés - wir nutzen das für eine kleine Stärkung zwischendurch.
Wir überspringen das eher flache Gebiet zwischen Luimneach und Gaillimh und wollen uns als nächstes Connemara, das Land der Legenden, ansehen und wir landen in Uachtar Ard im Camp Street Café und fühlen uns auf Anhieb wohl, der Chef ist ein absolutes Original und wir fühlen uns sofort als Freunde aufgenommen.
Wir schlendern kurz durch den sehr überschaubaren Ort, dann laden wir den Roller aus und unternehmen noch einen Kurzausflug an das nahe Loch Coirib. Dort erleben wir am Bootsanleger, was wir vor einem Jahr schon in Dänemark gesehen haben: es ist der beliebte Badeplatz der Jugend, die Fahrräder bilden einen Haufen und die Jugendlichen tollen im und am Wasser herum.
Noch ein Stück weiter am Loch entlang finden wir ein paar Männer, die mit Booten hantieren und werden angesprochen (was nun wirklich keine Seltenheit ist), es ist ein Motorradfahrer, der schon mit seiner GS in Deutschland war, aktuell fährt er KTM und Yamaha und er möchte ein Bild von unserem Gespann samt Rollstuhl machen, da sein Freund nach einem Unfall nicht mehr mit dem Solomotorrad fahren kann - No Problem!
Als wir wieder zum Café zurückkommen, spielt der Chef gerade mit der Fidel auf und eine lustige Gruppe trommelt im Takt dazu - wie sich herausstellt, ist es eine Ordensgemeinschaft die hier feiert. Am Abend sitzen wir dann selbst im Café oder genauer davor in einer Art Fass Sitzgruppe und nach kurzer Einweisung durch den Chef zapfe ich mir mein Murphys selbst. Wir bestellen Fish&Chips und einen Garlic-Butter-Bacon-Burger, die Chips sind handgeschnitzt und alles zusammen ist ausgesprochen lecker - wir haben einen Volltreffer gelandet. Am nächsten Tag geht es wieder zum Wild Atlantic Way. Am Anfang fahren wir noch durch enge Hecken und Baum „Tunnel", dann öffnet sich die Landschaft und wir genießen wieder dieses Highland Feeling, dass wir schon ein paar Mal hatten, diesmal sogar inkl. Torf, der hier auch abgebaut wird. Wir haben einen sehr schönen Blick zurück auf das Loch Coirib und über kleinere Seen und torfhaltige Bäche in der näheren Umgebung. Oben auf der Höhe gibt es einen großen Windpark und auch einen "Wind Way" auf dem man sich diesen erwandern kann - natürlich nichts für uns, wir fahren lieber weiter und gleiten übergangslos in einen dichten Wald, der schon an die Heimat erinnert und danach fahren wir durch ein Meer an Rhododendron-Blüten. Die Kühe auf der Straße erinnern dann schon wieder an Korsika - der Weg erweist sich mal wieder als sehr abwechslungsreich. Schließlich üben wir uns im Inselhopping, wie eine Perlenschnur verbindet die Straße über kleinere und größere Brücken eine ganze Reihe von Inseln. Die Landschaft erinnert nun an die "Bretonische Südsee" mit ihren vielen kleineren und größeren Inseln. Die Inseln selbst erweisen sich im wahrsten Sinne als steinreich - wir fahren durch eine Landschaft die hauptsächlich aus Steinen besteht, gekrönt von den Steinmäuerchen, die die Straße einfrieden. Wir finden auch hier schöne Ausblicke und auch sehr schöne Strände, die zum Baden einladen - aber darauf sind wir nicht vorbereitet. Also "hüpfen" wir die Inselkette zurück und umrunden die ganze Bucht, in der diese Inseln liegen und haben noch einmal viele neue Blicke auf die Inseln. Die nächste Halbinsel bietet uns dann einen Blick auf die nächsten Berge, die auf der wiederum nächsten Halbinsel liegen und deutlich höher aussehen. Zurück kürzen wir dann über die Halbinsel ab und finden uns auf einer Hochebene wieder, die uns mal wieder an Spanien erinnert. Abends sage ich dem Chef, dass ich Durst habe "No Problem - Du weißt ja wo der Tap" ist und so zapfe ich mir mein Murphys wieder selbst, nur als Abendessen gibt es dieses Mal Pizza, eine mit dem passenden Namen "Atlantic Way" und die andere mit sehr gut gewürztem Fleisch - und wieder ist es sehr lecker. Nur ein kleines Stück verlegen wir unseren Wohnsitz nach Westen - mit dem Roller waren wir schon fast daran vorbeigefahren. Den holen wir auch gleich wieder raus und fahren noch eine schöne Runde über die beiden angrenzenden Halbinseln, schöne kleine Straßen mit immer wieder neuen Aussichten auf Berge und Meer. Besonders interessant sind die Berge im Norden, die sich bis über 700 m erheben - und das von quasi Meereshöhe ausgehend. Einen besonders schönen Blick hat man vom Friedhof der kleinen Gemeinde aus - die Toten haben hier einen Logenplatz bekommen. Interessant ist der Blick über die Landschaft mit den vielen kleinen Steinmäuerchen zwischen den Grundstücken und den verfallenen Steinhäusern - wieder ein Blick, wie wir ihn auch aus spanischen Sierras kennen.
Was uns auch schon mehrfach aufgefallen ist: man sieht auf dem Lande keine "alten, traditionellen" Häuser, die Häuser sind eher modern und zeigen, dass es den Besitzern gut geht. Viele große Fenster, oft mit Wintergarten-Anbau, manche auch verspielt mit Säulen im Eingangsbereich - Häuser, in denen man sich rundum wohlfühlen kann. Traditionelle Häuser sieht man fast nur als Ruinen, manchmal stehen sie in Sichtweite der neuen Häuser und dienen gelegentlich noch als Abstellschuppen, oft mit Blechdach statt dem originalen Reetdach - die meisten aber sieht man irgendwo abgelegen in einem mehr oder weniger deutlichem Zerfallsstadium. Gut für die Bewohner - schlecht für Traditionalisten.
Der nächste Tag steht unter dem Motto "Rund um Clifden". Wir folgen dem Way nach Westen (auf den Schildern steht allerdings Norden drauf - der Way kennt nur zwei Richtungen: Nord und Süd). Wir umrunden den nächsten Bay und haben wieder viele schöne Ausblicke auf die Inseln und Halbinseln, stoßen wieder auf einer Stichstraße auf die nächste Halbinsel vor und finden uns an einem sehr schönen Strand mit daneben liegendem kleinem Hafen wieder, in dem - wie so oft - das Wasser fehlt. Auf dem Weg nach Norden kommen wir noch an vielen kleineren oder größeren Stränden vorbei. Der Reiz ist groß, hier auch mal ins Wasser zu gehen - aber mit einem Rollstuhl ist auch der schönste Strand nicht wirklich nutzbar. Später überqueren wir ein paar schmale Brücken, bei denen wir jedes Mal aufgefordert werden, den Gegenverkehr vorzulassen und treffen das erste Mal auf Clifden. Die Beschilderung in dem Ort ist suboptimal, wir drehen eine Ehrenrunde, bevor wir den richtigen Ausgang gefunden haben - dann geht es aber schnell bergan - wir folgen der Sky Road. Der vielversprechende Name ist nicht umsonst gewählt, am Aussichtspunkt ergibt sich ein atemberaubender Ausblick auf die vorgelagerten Inselwelt - quasi aus der Vogelperspektive.
Die Landzunge ist schmal und wir fahren auf der Nordseite zurück ins Landesinnere und sehen, dass der Meeresarm zur nächsten Halbinsel noch viel schmaler ist und es Stellen gibt, die jetzt bei Ebbe problemlos passierbar sind. Kaum auf der N-Straße angekommen, geht es schon wieder auf die nächste Halbinsel und wir sehen den schmalen Meeresarm von der anderen Seite. Und dann geht es nach Omey Island, hier ist die "Straße" ein breiter Strand, der bei Flut zum Meeresboden wird und so auch nur bei Ebbe befahrbar ist. Der Reiz ist groß und die Beste aller dreht eine Runde auf der glatten und festen Sandfläche. Bis zur Insel fahren wir nicht, wir wollen weiter und orientieren uns wieder Richtung Clifden. Hier machen wir eine Pause, schlendern durch den übersichtlichen Ort voller Bars, Cafés und verschiedensten Läden, sehen uns ein "Seaweed-Bath" an und stärken uns bei einem handwerklichen Bäcker, bevor wir uns noch fürs Abendessen versorgen.
Zurück geht es dann über eine Hochmoorebene. Und wieder haben wir ganz neue Eindrücke, hier gibt es eine Vielzahl von kleinen und größeren Seen und dazu den Blick auf die nahen Berge – überwältigend.
Am nächsten Tag ziehen wir wieder ein Stück weiter, an ein Wollzentrum in Leenaun, alles mit Wolle interessiert meine Herzallerliebste nun mal. Aber es ist Sonntag und es gibt keine Führungen, also packen wir wieder den Roller aus und drehen die nächste Runde auf dem Wild Atlantic Way bis nach Cathair na Mart.
Wir starten am Fjord. Ja, Fjord, manchmal wird sogar behauptet, es wäre der einzige Fjord Irlands (wir werden aber noch auf einen weiteren stoßen), jedenfalls hat es hier schon einen leichten norwegischen Touch, auch wenn die Berge hier nicht ganz so schroff ins Meer abfallen. Wir folgen dem Fjord bis zum Ende, um dann auf der anderen Seite wieder "zurück" zu fahren und kommen uns kurz wie bei Dornröschen vor, auch wenn die Blüten keine Rosen sondern mal wieder Rhododendron-Blüten sind, aber die Hecken stehen haushoch auf beiden Straßenseiten.
Irgendwann biegt die Straße ab und wir folgen einem Gebirgsbach. Die Straße steigt nur sanft an, aber das Tal erinnert schon wieder an die Alpen und dann öffnet es sich und gibt den Blick auf eine See (genauer Loch Doo) frei und der wichtigste Unterschied zu einem Alpensee ist, dass hier deutlich weniger Verkehr herrscht.
Der weitere Weg führt uns - wenig überraschend - an einen Fähranleger. Der Weg dahin windet sich durch sanfte Hügel, so etwas haben wir auch schon mal in Schweden erlebt. Am nächsten Bay führt uns die Straße dann gen Cathair na Mart (Westport). Die Berge kurz davor erinnern uns in ihrer Form an die Vulkankegel der Auvergne.
Der Ort selber verführt uns zu einer Pause, wir schnallen den Rollstuhl ab und bummeln durch die Stadt, es gibt mal wieder eine Kirche "St. Mary" - da müssen wir natürlich rein. Ansonsten ist es eine dieser typisch irischen Kleinstädte: sehr bunt, sehr lebendig und überall gibt es Cafés und Bars und kleine Geschäfte - gefällt uns sehr gut.
Im The Tucker Bag Café rückt uns die Chefin gleich die Stühle zurecht (No Problem) und bringt auch gleich Sitzkissen raus - und ein Glas frisches Wasser gibt es auch gleich für jeden und wir bestellen uns fluffige Pancakes mit Bacon und Ahornsirup - eine für uns gewöhnungsbedürftige Mischung, aber durchaus lecker.
Dann auch noch schnell den Roller füttern und ab nach Hause - wir nehmen diesmal aber die "Inlandsroute" über den Sheeffry-Pass. Der ist zwar keine 200 m hoch, wirkt aber durchaus wieder alpin und wenn die Schafe Kühe mit Glocken wären, könnte man denken, man ist in der Schweiz.
Am Abend rücken wir noch in eine der beiden Bars ein und es gibt auch noch lecker Muscheln direkt aus dem angrenzenden Fjord ... und natürlich ein Feierabendbier: ein IPA aus Galway und ein Connemara-Lager – na, solange wir noch in Connemara sind.... Am nächsten Morgen geht es dann in das Wollzentrum und wir bekommen sogar eine exclusive Führung nur für uns, das ist unheimlich interessant, wir können uns beim Spinnen mit Handspindel und Spinnrad ausprobieren, bekommen die verschiedenen Schafarten und Wollsorten und die klassischen Färbemittel erklärt und natürlich auch das Weben.
Danach verlegen wir unseren Wohnsitz vom Fjord auf die Insel - naja, auf einer Insel sind wir ja sowieso, aber die Insel hat ja noch "Tochterinseln" und nun wohnen wir temporär auf der Insel Acaill. Das muss natürlich erkundet werden und so satteln wir am nächsten Morgen wieder den Roller und folgen dem Atlantic Drive über die Corraun Halbinsel und die Acaill Vollinsel - und folgen damit gleichzeitig wieder "unserem" Wild Atlantic Way. Wir sehen mal wieder neue Strukturen, die Felsen auf der Halbinsel fallen schräg ins Meer - was sich an Land fortsetzt. Und wir können hinüber sehen auf die Halbinsel, die wir vor zwei Tagen abgefahren sind - wie so oft.
Überall entlang des WAW gibt es Info-Punkte, an denen wir immer mal anhalten. Oft sind es besonders schöne Aussichtspunkte, die Interessantes von der Gegend oder den Menschen, der Landschaft oder der Tier- und Pflanzenwelt berichten und immer auch etwas aus der Historie. Besonders oft hat man hier Hinweise auf die spanische Armada - und so einen Punkt finden wir auch auf dieser Runde, nicht sehr überraschend.
Zurück auf Acaill folgen wir weiter dem Atlantic Drive auf der anderen Seite des Sounds und halten bei dem Turm, der uns schon von der Halbinsel aus aufgefallen ist. Der steht direkt an einem kleinen Hafen und netterweise gibt es hier einen kleinen Kaffee-Stand, ein willkommener Anlass für eine kleine Pause.
Um die Südspitze der Insel herum wird die Straße mal wieder spektakulär, die Ansichten werden wilder, der Straßenverlauf gewundener, bis wir auf einer Klippe stehen und einen schönen weiten Ausblick genießen. In der Folge windet sich die Straße in Serpentinen wieder hinunter, der Streckenverlauf bleibt interessant und dicht am Meer, bis wir die Küste wieder verlassen und über einen niedrigen Bergrücken wieder auf die Hauptverbindungsstraße kommen, der wir dann bis zum Ende folgen. Was sich dann auch lohnt, die Straße steigt kurz vor dem Ende noch einmal auf 150 m an - und das direkt am Meer entlang, der Ausblick ist mal wieder atemberaubend. Noch vor dem sehr schönen Strand auf der anderen Seite drehen wir wieder um und haben den Genuss der Strecke noch einmal in die Gegenrichtung. Fast am Ende der Tour biegen wir noch in die kleine Whiskey-Distillery ab und tasten uns durchs Angebot (ich habe ja meine Fahrerin). Vor allem der im Bordeaux-Fass gelagerte könnte mich schwach werden lassen .... allein es ist ein Jahrgangswhiskey und nicht mehr verfügbar - gut für die Brieftasche.
Die nächste Wohnortverlegung wird kürzer als gedacht, nach nur 30 km landen wir im Besucherzentrum vom Ballycroy-Nationalpark, der auch als Dark Sky Park ausgewiesen ist und folglich darf man auch offiziell übernachten - schön für uns. Wir machen mal wieder auf Kultur und sehen uns die Ausstellung an - sehr interessant, es wird vom Leben der Menschen in und um das Gebiet berichtet, aber natürlich auch über die Pflanzen und Tiere und die Besonderheiten des Moores. Wir spazieren noch um den angrenzenden Berg (der Weg ist rollstuhltauglich und führt teilweise über Holzbohlen im Moor), finden schöne Aussichten und beschließen auch noch den anderen ausgewiesenen Rollstuhlpfad abzugehen - wozu wir noch ein Stück mit dem Roller gefahren sind. Hinzu über die eher langweilige N-Straße, zurück suchen wir uns eine deutlich kurzweiligere L-Straße, die durch den Nationalpark führt (natürlich offiziell befahrbar). Aber wer immer für diese Straße zuständig ist, hat ganz sicher nichts für Touristen übrig - der Zustand ist - naja - sagen wir gewöhnungsbedürftig....
Am Abend stehen wir dann ganz allein auf dem Platz, aber leider ist es nicht klar genug zum Sternenschauen.
Der nächste Tag sieht uns wieder auf dem Roller, wir wollen die WAW-Runde auf der Halbinsel Mullet abfahren. Die Tour ist nicht ohne Reiz - aber für uns und unsere Erfahrungen bisher ist sie etwas enttäuschend. Weite Strecken führen ohne nennenswerte Kurven gerade aus, die Straßen sind weitestgehend breit ausgebaut, dementsprechend ist auch der Verkehr.
Dafür kommen wir mal flott voran - hat auch was. Wir nehmen noch einen Abzweig zu einem Strand und stellen fest, dass der Weg zum offiziellen Parkplatz mal wieder nur bei Ebbe befahrbar ist – gut, dass das Wasser gerade reingenommen wurde. Dann geht es weiter bis zur Südspitze der Halbinsel, wir stehen an einem Leuchtturm, der zum D-Day Geschichte geschrieben hat und an einem Hafen von dem einst viele Iren nach Amerika ausgewandert sind. Die anschließende Runde um die Südspitze herum bringt dann doch noch eine Runde Fahrspaß mit sich, die Strecke geht durch die Dünen, was mal wieder zu einer Achterbahnanmutung wird, sehr nett und die Straße ist auch so eng, dass wir mal wieder allein unterwegs sind - so gehört sich das.
Leider trifft meine Herzallerliebste einen sehr frischen Kuhfladen mit vollem Schmackes - was für eine nicht so angenehme Patina am Roller sorgt - hätte nun wirklich nicht sein müssen....
Zurück an unserer Wohnung wird dann erst einmal das Gröbste dieser Patina abgeputzt (muss ja nicht im Anhänger landen) und dann verlegen wir auch gleich noch unseren Wohnsitz. Wir wollen noch eine Brennerei aufsuchen und unsere Erfahrung lehrt uns, dass wir das möglichst noch vor dem nahen Wochenende tun sollten, wenn wir da auch jemanden antreffen wollen.
So holen wir also am nächsten Morgen wieder den Roller raus und machen uns auf den Weg. Diesmal nehmen wir nicht die (eher langweilige, aber wohnmobiltaugliche) N-Straße, sondern suchen uns kleinere R-Straßen raus. Und eine schlängelt sich schon mal vielversprechend aus dem Ort raus und durch ein Waldgebiet und als sich dann eine Lücke im Wald auftat und den Blick auf einen See mit Badestrand freigibt, wissen wir, wo wir sowas immer wieder gesehen haben: letztes Jahr in Schweden. Der Eindruck wird dann noch verstärkt, als sich die Straße zwischen zwei Seen (die hier ja Loch heißen - wie in Schottland) durchwindet und wechselseitig den Blick auf die doch erhebliche Wasserfläche freigibt. Sehr schön hier. Als sich der Wald dann wieder lichtet, gibt er den Blick auf einen Hügel frei, der über 800 m aus der Landschaft aufragt. Der Berg ist hier recht einsam, im weiteren Verlauf lässt der Schwung der Straße nach und wir bewegen uns durch eher flaches Land mit viel Landwirtschaft auf beiden Seiten.
Wir fahren bis Céide Fields - direkt am Wild Atlantic Way. Eine archäologische Ausgrabungsstätte mit Siedlungsresten von steinzeitlichen Ackerbauern und Viehzüchtern. Wie so häufig gibt es ein Visitor Centre mit Ausstellung und wir bekommen freien Eintritt, weil die Besichtigung des eigentlichen Ausgrabungsfeldes mit dem Rollstuhl nur sehr eingeschränkt möglich ist - wir verzichten am Ende darauf ganz, weil schon der Einstieg recht beschwerlich aussieht. Aber die Ausstellung sehen wir uns an - diese ist sehr interessant gestaltet, zum Teil auch mit holografischen Szenen - sehr wirkungsvoll. Außerdem liegt das ganze Feld hoch auf einer Klippe und es gibt natürlich auch Aussichtspunkte darauf. Auch unser nächstes Ziel kann ich schon sehen - aber es verschwimmt im Dunst.
Dieses nächste Ziel ist Downpatrick Head - ein einzeln im Meer stehender Felsen (der bis ins 14 Jh. noch eine Landverbindung hatte) und wir folgen dem WAW dahin. Natürlich sind hier Besuchermassen (wobei der Begriff irisch anzuwenden ist - wirkliche "Massen" haben wir auch noch nicht erlebt). Der Zugang vom Parkplatz aus ist dann auch wieder alles andere als rollstuhltauglich, also gehe ich allein eine Runde spazieren, während sich die Fahrerin die am Parkplatz angebrachten Infotafeln vornimmt.
Und weiter geht es auf dem WAW, wir folgen der Ausschilderung und surfen erst an den Klippen entlang und kommen später wieder an Strände und an einer großen Bucht vorbei, die jetzt bei Ebbe fast komplett trocken daliegt - man könnte da wieder drauf rumfahren, aber das hatten wir ja schon und außerdem wollen wir nun endlich zum Whiskey. Wir finden die Connacht-Brennerei auch auf Anhieb und können den aktuell einzigen Malt probieren - die Brennerei ist noch ganz neu und deshalb gibt es auch noch kein größeres Angebot - da sollte man vielleicht in 10 Jahren noch mal hinfahren.
Vom Wild Atlantic Way haben wir vor allem noch den nördlichen Teil vor uns und damit das nördliche Ende im Donegal. Wir überspringen zwei Countys und landen direkt in Dún na nGall (dem Ort Donegal), was gar nicht so schlecht ist, denn den ganzen Tag gibt es immer wieder Regen, der uns bei der Wohnortverlagerung aber nicht so stört. Außerdem können wir hier einen schönen, stimmungsvollen Abend erleben, vor allem, nachdem der Regen doch noch nachgelassen hat. Der Ort ist recht übersichtlich, aber gerade am Samstagabend ist hier jede Menge Stimmung, es gibt mehrere Pubs mit Livemusik und die sind auch noch verschachtelt mit mehreren Theken und alle sind sie voll und überall ist gute Stimmung. So gefällt uns das, so macht das Nachtleben Spaß. Wir genießen den Abend und die Vielfalt an den Zapfhähnen - mit dem Bier aus Donegal haben wir auch wieder etwas Neues auszuprobieren.
So gut uns der Ort auch gefällt, der Platz am Pier ist nicht wirklich schön und gemütlich, vor allem aber können wir hier den Roller nicht auspacken - und so ziehen wir am nächsten Tag schon weiter, nicht ohne uns mit einem ordentlichen irischen Frühstück versorgt zu haben - hier mal wieder im Café und nicht "zu Hause" - ab und zu muss das einfach sein. Wir kommen bis Na Cealla Beaga, einem kleinen Ort mit riesigem Fischereihafen, finden einen recht teuren Platz (aber wir wollen eh nur eine Nacht bleiben) - dafür mit toller Aussicht. Der Tag ist noch jung und das Wetter verspricht trocken zu bleiben, also holen wir wieder den Roller raus und starten die nächste Etappe auf dem WAW.
Wir steuern die Klippen von Sliabh Liag an, wenn wir schon mal in der Gegend sind. Die
Strecke führt erst am Bay entlang und dann mal wieder über eine kleine, schön gewundene Straße mit schönen Ausblicken auf das Meer. Kurze Zeit später stehen wir am Visitor Centre und fragen nach dem möglichen Zugang, normalerweise soll man ab hier den Bus nehmen - auf Nachfrage bekommen wir aber mitgeteilt, dass man mit dem "Blue Badge" auch bis an die Klippen fahren kann - No Problem - den haben wir, also los. Vor Ort stellen wir dann fest, dass man mit dem Motorrad sowieso bis an die Klippen fahren darf - naja, haben wir also einen doppelten Grund. Das letzte Stück der Zufahrt ist dann noch einmal besonders schmal und gleicht einer Achterbahnfahrt (mal wieder) und wenn man den Meerblick nicht hätte, könnte man sich schon wieder in den Alpen wähnen.
Die Klippen selber sind durchaus sehenswert und man hat auch da noch die Möglichkeit ein ganzes Stück weiter nach oben zu wandern - aber natürlich nicht mit Rollstuhl und so belasse ich es wieder bei einem kurzen Spaziergang, während die Fahrerin, die auch schon sehr imposante Aussicht vom Parkplatz aus genießt und sich die Andenken im mobilen Shop ansieht.
Weiter geht es auf dem WAW die Straßen sind mal etwas breiter, mal wieder schmaler und wir fahren durch ein weites Tal mit kleinem Loch und kommen schließlich an die nächste Sackgasse an einem wieder sehr schönen Strand weit unter uns und einem Turm, der einst zur Abwehr von Napoleon gebaut wurde. Vor der Küste liegt noch eine Insel mit Leuchtturm - wenn das Wetter ein klein wenig sonniger wäre, könnte man hier wunderschön kitschige Postkartenbilder machen. So fehlt leider das Licht - aber wenigstens bleibt es den ganzen Tag trocken.
Weiter geht es auf dem WAW in Richtung Norden und wir erhaschen einen Blick auf Glen Head - die Straße führt genau darauf zu - um im letzten Augenblick vor der Steilküste abzubiegen und wir tauchen wieder ein in ein Gebiet wie die schottischen Highlands, inkl. Loch Divna. Die Straße klettert bis auf 260 m hoch. Kurz hinter dem Pass dann der Parkplatz mit dem Aussichtspunkt und hier ändert sich die Landschaft fast schlagartig, aus dem schottischen Hochland wird wieder alpines Gebiet, auf der anderen Seite windet sich die Straße in Serpentinen nach unten, um dann durch ein alpenländisches Tal zu führen.
Unser letztes Ziel für heute ist Ard an Rátha - wir schauen uns um und beschließen, unseren Wohnsitz am nächsten Tag hierher zu verlegen. Nicht zuletzt, weil es hier eine WhiskeyDistillery geben soll - die gilt es dann nur noch zu finden.
Der Umzug ist schnell erledigt, wir machen einen kurzen Ortsbummel und besuchen einen traditinellen Tweed-Hersteller. Der Eigentümer hat in seinem Laden das Häuslein nachgebaut, in dem er als Kind aufgewachsen ist, war interessant zu sehen, wie klein doch die Behausungen vor noch gar nicht so langer Zeit waren - und da lebten 13 Leute unter einem nicht allzu großem Reetdach. Und der Tweed wird tatsächlich noch mit dem alten Handwebstuhl hergestellt - wobei man auch zusehen kann. Dann holen wir wieder den Roller raus und fahren noch einmal einen großen Teil der Runde vom Vortag ab, was hier keinesfalls langweilig ist. Allein den Glengesh-Pass noch einmal in der Gegenrichtung zu fahren, lohnt sich schon - zumal sich inzwischen das Wetter geändert hat und die Bergspitzen in den Wolken hängen - was den alpinen Eindruck nur noch weiter verstärkt.
Bei einem alten Dolmen-Grab halten wir dieses Mal an und ich schaue es mir an (kein Zugang mit Rollstuhl möglich). Naja, wenn man in der Bretagne war, ist das hier irgendwie enttäuschend, macht aber nichts. Etwas weiter sehen wir dann in einem Freiluftmuseum endlich auch mal traditionelle irische Häuser, hat man ja sonst kaum noch und schon gar nicht mehrere auf einmal in gutem Zustand.
Leider erreicht uns dann am Glengesh-Pass der Regen - das erste Mal, dass wir mit dem Roller in den Regen kommen - eigentlich hatten wir das schon viel eher und viel öfter erwartet - nun haben wir ihn, den irischen Regen - der hätte aber ruhig warten können, bis wir zurück sind. Der Roller ist nun eh nass und bleibt gleich draußen - vielleicht ist das Wetter am nächsten Tag nochmal gnädig.
Der Regen lässt dann tatsächlich noch am Abend nach und wir suchen uns eine Bar fürs Abendessen. Gleich die erste Bartür geht nicht gleich auf (es gibt einen versteckten Riegel, den ich nicht gleich als solchen erkenne) - aber mein Versuch bleibt nicht unbemerkt und die Tür öffnet sich. Etwas verzweifelt stehen wir mit dem Rollstuhl vor dem vollen Raum - aber - No Problem - bevor wir uns überlegen können, ob wir weitersuchen, werden Stühle gerückt und es tut sich eine Lücke auf, die groß genug für den Rollstuhl ist und wir sind drin. Es gibt viele kleine Räume mit zwei oder drei Tischen, alle sind besetzt, aber das ist wieder "No Problem", wir werden einfach an einen Tisch rangewunken - ist doch noch Platz. Wir werden mit Handschlag begrüßt und man nennt seinen Namen - ich muss schnell etwas am Rollstuhl richten und mein irischer Nachbar bekommt eine Halskette zum Reparieren, so sitzen wir erst einmal bastelnd nebeneinander. Später frage ich den Wirt nach der Speisekarte und werde gefragt, ob ich einen Sitzplatz habe - ja, No Problem, dann gibt es auch die Karte. Wir Essen lecker Pulled Pork mit Loaded Fries sowie Fish&Chips und trinken leckeres lokales Bier und unterhalten uns auch mit den Iren, wobei sich herausstellt, dass einer aus den Six Counties kommt, es wird nach dem woher und wohin gefragt, wie uns Irland gefällt, was wir schon erlebt haben - sehr nett. Etwas später kommen noch ein paar Deutsche in die Bar und da "unsere" Iren gerade gegangen waren, winken wir sie an unseren Tisch ..... es wird ein sehr schöner und unterhaltsamer Abend - wir bleiben bis der Wirt die Vorhänge und die Außentür schließt.
Am nächsten Morgen ist es trocken und wir steigen wieder auf den Roller. Als erstes folgen wir dem Santa Anna Drive und erleben eine Halbinsel, die uns an Korsika erinnert. Wo wir sonst eher Grasland hatten, sehen wir hier eher Hecken und Büsche zwischen den Steinen - und auch die ruppigen Straßen hatten wir so in Korsika, genauso wie die 2...3 km topasphaltierte Strecke zwischendrin. Manchmal auch etwas Wald mit knorrigen Bäumen wie im Märchenwald und wenn dann die Berge wieder auftauchen, hüllen sie sich in Wolkenfetzen. Der Ausblick auf die höheren Berge auf der südlicheren Halbinsel wird durch Nebelschwaden behindert - was den märchenhaften Eindruck noch verstärkt. Wir finden auch eine kleine Bucht, die vom Meer durch Felsen abgeschirmt ist und gerade jetzt bei Ebbe komplett trocken daliegt.
Von der Halbinsel runter suchen wir die kleine Straße durch das Hinterland und landen in einer Sackgasse (naja, vielleicht wäre man mit einer guten Enduro weitergekommen), also zurück und den nächsten Abzweig genommen. Der passt dann auch und wir haben mal wieder eine Achterbahntour gefunden, wenn man schnell genug über die Kuppen fährt, kann es schon mal kribbeln - vor allem wenn man gerade in die Karte schaut. Da noch Zeit ist, machen wir noch einen Abstecher zum Loughros Point, die Halbinsel ist deutlich flacher, dafür ist hier der Bewuchs am Straßenrand mal wieder höher, was die Übersichtlichkeit erschwert - so stehen wir mehrfach recht überraschend vor einem Auto - die aber alle, No Problem, brav zurücksetzen - freundliches Winken auf beiden Seiten und es geht weiter.
Am Ende der Strecke mal wieder ein winziger Badestrand, die beiden Badegäste grüßen und wollen wissen, ob ich ein Paparazzi bin - ich antworte, dass ich nur die Landschaft fotografieren will – ja, die sei großartig hier.
Wieder zurück wird dann gleich der Roller eingepackt und wir gehen noch zur WhiskeyDistillery - wir stehen quasi in Sichtweite, nur müssen wir einen Bogen über die Brücke laufen. Die Besichtigungstour wollen wir nicht mitmachen - aber kosten schon. Wir bekommen drei verschiedene Whiskeys - die alle drei überraschend rauchig schmecken, zumindest für irischen Whiskey (aus Schottland kennen wir deutlich rauchigeren). Leider ist der Malt noch nicht fertig, der muss noch mindestens anderthalb Jahr lagern. Hier treffen wir auch noch zwei deutsche Motorradfahrer, die sich von ihrer Gruppe abgesetzt hatten und noch am gleichen Tag nach Nordirland (ist ja nicht mehr weit) weiterfahren wollen. Kleiner Schwatz und dann wünschen wir uns gegenseitig schöne Reise.
Nächste Station, nächste Brennerei (von irgendwas muss man ja leben): Croihli. Der erste Versuch an einem Campingplatz scheitert am Besitzer, dem wohl einzigen unfreundlichen Iren, aber 500 m weiter an einer Bar wird unsere Frage, ob wir über Nacht stehen können, wenn wir abends hier Essen gehen mit dem üblichen "No Problem" beantwortet. Damit das mit dem Whiskey nicht so versoffen wirkt, gibt es noch eine Alibitour am Way entlang. Es wird aber natürlich eine richtige Tour und wir suchen uns auch wieder ein paar kleine Ergänzungen raus. Die erste führt uns auf eine Halbinsel vorbei an einem niedlichen Flugplatz - der aber als international gekennzeichnet ist (vermutlich fliegt man von hier in die Six Counties - nicht weit, aber international). Und dann geht es wieder durch die Dünen, die Straße wurde wieder an die Landschaft angepasst und dass bedeutet hier ein lustiges Auf und Ab und Hin und Her. Am Ende gibt es einen kleinen Hügel, ich klettere hinauf und habe einen Südseeblick, blaues Meer mit ein paar weißen Bootstupfen, gelber Strand und grüne Wiesen und über allem ein strahlend blauer Himmel - Kitschpostkartenlandschaft pur. Zurück durch die Dünen und wieder ein Stück Way und der nächste Abzweig, diesmal auf eine Insel ohne Halb - wir sind auf An Chruit. Diese Insel ist wieder steinreich und wieder fahren wir bis an die nördliche Spitze - und stehen unvermittelt auf einem Golfplatz mit schöner Aussicht auf die vorgelagerte Inselwelt. Sehr schön, aber Golf ist nicht unser Sport und wir drehen wieder um - die Straßenführung lässt aber auch den Rückweg nicht langweilig erscheinen.
Dann geht es wieder ein Stück Way entlang und hier wirkt alles wieder ein wenig korsisch: die Straße wird von Felsen eingerahmt und dazwischen wieder mehr Buschwerk als Wiese - man könnte es fast schon für Macchia halten. Das wird verstärkt als wir erneut vom Way abweichen und uns eine Strecke über schmale L-Straßen zurück raussuchen (statt auf der N-Straße zurückzufahren). Hier ist auch der Straßenbelag wieder so schlecht, wie wir ihn von den Nebenstraßen auf Korsika kennen - und die Straße kringelt sich hier noch mehr durch Felsen und Macchia ähnliches Buschwerk.
Die Runde war zwar nicht groß - aber fein und durch die kleinen Straßen hat sie ihre Zeit gebraucht. Und dann stehen wir endlich vor der Brennerei und können ein weiteres Mal irischen Whiskey probieren (die Fahrerin nippt natürlich nur - ist aber auch nur noch 1 km bis nach Hause). Interessanterweise gibt es hier eine Serie, die in verschiedenartigem Holz (ohne Vorbelegung) gelagert wurde und man schmeckt auch tatsächlich Unterschiede - eine für uns neue Erfahrung, hatten wir doch sonst eher die Unterschiede durch die Vorbelegung.
Der Abend in der Bar wurde dann noch sehr lustig, es gab Livemusik und es wurde getanzt. Jung und Alt tanzten miteinander und es gab viel zu lachen, da die Koordination nicht immer funktionierte, aber das Wichtigste war, dass alle ihren Spaß hatten. Für uns war es wieder ein sehr interessanter und lustiger Abend.
Als nächstes parken wir unsere Wohnung wieder direkt am Meer - auch wenn das zu dem Zeitpunkt leer ist. Wir packen den Roller aus und setzen unsere Erkundung des Wild Atlantic Way fort, die Route sollte am Ende bis knapp an Croithli heran führen - also unserem letzten Wohnort. Am Anfang geht es um einen Berg herum, wir schlendern direkt an seiner Flanke entlang, die sich recht steil aus dem Meer herausreckt, das ergibt eine interessante Streckenführung. Danach weichen wir vom Way ab und landen - wie so oft - an einem sehr schönen Strand auf der einen Seite und einer felsiger Küste auf der anderen - sehr stimmungsvoll. Beide Seiten laden zum Baden ein - aber nicht für uns, wir folgen dann lieber weiter dem WAW und landen in einem recht verschlungenen Hafen, der wohl 150 Jahre früher mal sehr wichtig war.
Am nächsten Tag geht es in die andere Richtung auf den Wild Atlantic Way. Erst ein Stück auf der nicht sehr anspruchsvollen N-Straße, aber es gibt keine Alternative. So wird es erst auf dem Weg nach Horn Head interessant. Die Straße wird schmaler und der Belag ruppiger, vor allem aber gibt es mehr Kurven und es geht ordentlich bergan. Am Parkplatz überrascht es uns nicht, dass man hier mit dem Rollstuhl nicht wirklich etwas anfangen kann - so habe ich einen einsamen Spaziergang durch die Landschaft, sehr schön und wer wandern will, kann hier sicher noch einiges ablaufen. Wir aber nehmen den Weg rund um den Berg in Angriff. Die Straße wird hier zur Achterbahn und windet sich schön am Berghang entlang, mit dem niedrigen Steinmäuerchen hoch über dem Meer auf der einen und dem Hang auf der anderen Seite kommt mal wieder Korsika-Feeling auf. Am Way-Info-Point erfahren wir, dass sich hier Irlands größte Seevogelkolonie befindet - mit dem Blick auf die wilden, unzugänglichen Klippen kann das nicht wirklich überraschen.Wir machen noch eine kurze Stippvisite auf einer kleinen Insel und dann wenden wir uns schon dem Rückweg zu - aber natürlich nehmen wir nicht den gleichen Weg. Wir peilen den Glenveagh National Park an. Auf der Anfahrt auf die Berge wird der alpine Eindruck immer stärker, je näher wir ihnen kommen. Landschaftlich sehr schön und vom Parkplatz am Visitor Centre aus hat man einen See-Blick, wie man ihn in den Alpen nicht schöner haben könnte. Das Centre selbst enttäuscht dagegen auf der ganzen Linie, die Zufahrt für Rollstuhlfahrer ist zwar gut ausgeschildert, aber mit einem Tor samt Schloss versperrt und weit und breit niemand, den man ansprechen könnte - wir drehen enttäuscht ab. Entschädigt werden wir von einem kleinen Pass, der durch die Berge nördlich des Parks führt und landschaftlich an die französischen Alpen erinnert, gefällt uns wieder sehr gut.
Am Abend gehen wir gut Essen und später an der mobilen Wohnung werden wir von den irischen Nachbarn zum Musikabend eingeladen, wir haben mal wieder viel Spaß und es wird für uns ein gelungener Hochzeitstagabend.
Die Wohnsitzverlagerung am nächsten Tag wird jäh unterbrochen, als wir mitten in eine Rallye geraten - nichts geht mehr. Erst nach mehreren Stunden werden wir vom Safety-Car durch den Rallye-Kurs gelotst (No Problem). Wir richten uns dann in Rathmullan direkt am Fähranleger ein und stehen somit wieder an einem Fjord. Am Abend finden wir eine Bar mit dem Namen Mary Mac - da müssen wir natürlich unser Feierabendbier trinken!
Da der nächste Tag schönes Wetter versprach, haben wir den Roller rausgeholt und sind den WAW-Schildern um die Halbinsel Fánaid gefolgt, witzigerweise in Richtung South, obwohl wir fast genau nach Norden fahren (der Way windet sich halt und hier entgegen der angegeben Richtung). Wir folgen der Westküste vom Fjord Lough Swilly, der die Halbinsel Inishowen vom restlichen Donegal abspaltet - das ist aber noch Zukunft, Inishowen ist unsere letzte Etappe auf dem Wild Atlantic Way. Am Anfang ging es durch den irischen Märchenwald, der sein Blätterdach über uns geschlossen hielt. Später schlängelte sich die Straße wieder halbhoch über dem Wasser am Berghang entlang. Und dann hatten wir einen weiten Blick aus 120 m Höhe auf einen schönen Strand, den Fjord und die gegenüberliegende Küste.
Die weitere Strecke war verdächtig gekennzeichnet mit viel Absperrband, Heuballen und extra Kennzeichen an Kurven - wir waren mal wieder auf die Rallyestrecke geraten, aber noch war sie frei verfügbar, wir wurden von den Marshalls freundlich durchgewunken - nicht ohne, dass der eine oder andere ein Bild von uns machte. Witzig fand ich, dass jedes, aber wirklich jedes Tor mit einem Stück Absperrband verknotet war - damit ja keiner auf die Idee kommt, es zu öffnen. Offenbar reicht dafür das einfache Absperrband - No Problem halt. Wir folgen dem Way bis zum Fanad Head und seinem Leuchtturm - der leider nicht zugänglich ist. In den Tourist Informationen steht noch, dass man ihn besichtigen kann, vielleicht nicht wegen der Rallye oder weil heute Sonntag ist. Aber auch der Blick auf den Leuchtturm ist schon sehr schön und eigentlich geht es uns ja vor allem um das Motorradfahren. Im weiteren Verlauf folgen wir noch ein Stück der vorbereiteten Rallyestrecke, bis wir uns davon lösen und nun nur noch dem Way folgen. Wir verlassen die Halbinsel über eine Brücke (die wir zwei Tage vorher schon von der anderen Seite aus gesehen haben) und richten das Vorderrad nach Leitir Ceanainn (Letterkenny) aus. Wir gleiten am Ufer der Mulroy Bay und später dann wieder dem Lough Swilly nach Süden und erreichen die Stadt im Verkehrschaos. Wohl auf Grund der Rallye haben sich alle Möchtegernrallyefahrer aus ganz Ulster (vor allem aus den Six Counties) mit ihren getunten Autos hier versammelt und stehen sich im Korso durch die Stadt, mit immer wieder aufheulenden Motoren und provozierter Fehlzündung. Und wir mit dem Roller mittendrin - wir brechen aus und treten den Rücksturz an.
In Rathmullan beschließen wir, den Roller noch nicht einzuladen und gehen dafür in das kleine Café An Stad und erleben eine Überraschung: die Chefin spricht ein sehr gutes Deutsch (und noch ein paar andere Sprachen) und wir unterhalten uns sehr angenehm und erfahren so nebenbei auch mal wieder etwas zu Land und Leuten und die irische Sprache. Vor allem aber gibt es sehr leckere Pancakes! Emsland lässt grüß …en
Leitir Ceanainn hat uns gefallen, also nutzen wir das schöne Wetter am folgenden Tag und schauen uns die Stadt noch einmal mit weniger Trubel an (wie sich herausstellen sollte, gibt es die Stadt nicht ohne Trubel). Sie erweist sich als typisch irische Stadt, bunt und voller Leben. Wir bummeln durch die Innenstadt, schauen uns die Kathedrale an und besuchen das kleine, informative County-Museum. Es wird ein sehr ruhiger Tag für uns mit wieder einmal neuen Eindrücken. Zurück nach Rathmullan besuchen wir das Café vom Vortag, weil es uns da so gefallen hat und beschließen den Tag wie schon die letzten beiden in Mary Macs Bar (wenn es schon eine Bar mit Mary im Namen gibt…).
Wir haben die Seite gewechselt .... und sind jetzt am gegenüberliegenden Ufer von Loch Lúilí (oder eben Lough Swilly) auf der Halbinsel Inishowen. Hier folgen wir nicht nur dem uns schon bekannten Way, sondern auch den Inish 100 - einem 100 Meilen langen Rundkurs um
Irlands größte Halbinsel, der im Wesentlichen deckungsgleich mit "unserem" Wild Atlantic Way ist (abgesehen von der Strecke quer über den Fuß der Halbinsel). Inishowen selbst erweist sich als genauso abwechslungsreich wie der ganze Westen von Irland. Was uns allerdings auf der ganzen Fahrt auffällt: es gibt hier doch ein paar gut erhaltene historische Häuser, die ganz offensichtlich auch noch bewohnt sind. Hatten wir die Häuser sonst immer vermisst, hier haben wir einige gefunden. Die Strecke führt uns zu einem Fort am Dunree Head, es ist ein recht weitläufiges Gelände mit vielen militärischen Ausstellungsstücken und einem Museum. Die Anlage ist sicher einen Besuch wert, aber allein der Blick auf das Auf und Ab der Wege lässt uns dankend verzichten - mit einem Rollstuhl ist der Besuch eher mühsam bis kaum machbar. Weiter geht es auf der schmalen Straße gen Norden und wir erreichen den Glenevin Waterfall. Wieder eine Sehenswürdigkeit, die rollstuhltechnisch schwer erreichbar ist, es geht einen Kilometer auf einem Schotterweg bergan. Ich lasse mein Mädel beim Roller zurück und laufe allein bis zum Wasserfall. Auf dem Weg finde ich eine kleine Spielhütte für Kinder im Stil der historischen Häuser - eine sehr schöne Idee!
Als nächstes führt die Straße steil Berg an, fast ohne Kurven schwingt sie sich auf über 260 m hinauf zum Mamore Gap mit 30% Steigung. Der Ausblick, den wir bekommen, als wir den Pass erreicht haben, ist mal wieder überwältigend. Auf der anderen Seite schwingt sich die Straße dann in schönen Serpentinen wieder nach unten - schön zu fahren.
Weiter geht es über mehr oder weniger kleine, enge Straßen mit immer wieder schönen Ausblicken bis zum nördlichsten Punkt der Insel Irland - nördlicher als das britische Nordirland: Malin Head. Wir fahren bis oben hin und genießen den Ausblick. An klaren Tagen kann man wohl von hier aus auch bis Schottland sehen - unser Tag ist eher trüb mit gelegentlichem Nieselregen, von Schottland ist nichts zu sehen, selbst die Küste der Six Counties verschwimmt schon im Dunst. Schade, aber so ist das mit dem Wetter eben.
Wir folgen weiter dem Way und dem Inish 100 auf kleinen Straßen und zweigen einmal zum Stand der Kinnagoe Bay ab - eine Serpentinen-Abfahrt bringt uns dahin, ein schöner, abgelegener Strand - es ist wohl nur dem trüben Wetter geschuldet, dass hier niemand badet. Und noch einmal schwingen wir uns auf über 270 m hinauf und haben dann einen großartigen Blick über Lough Foyle bis nach Nordirland und das größte Dünengebiet der ganzen Insel. Wir drehen die Runde bis nach Inishowen Head und von da an geht es nach Süden, obwohl die Schilder des Wild Atlantic Way behaupten es geht nach Norden - wir nähern uns dem nördlichen Ende in Muff. Die letzten paar Kilometer verlaufen entlang dem Lough Foyle über eine eher langweilig gerade Straße und wir erreichen das Ende des Weges, der uns seit Kinsale als Leitfaden gedient hat, unmittelbar vor der Grenze zu den Six Counties (Nordirland) - die, abgesehen von dem Hinweis, dass ab hier Geschwindigkeiten in mph angegeben sind, unsichtbar ist. Wir könnten weiterfahren, aber wir haben unser Tagesziel erreicht und richten das Vorderrad wieder Richtung Loch Lùilí aus. Noch einmal geht es quer über die Halbinsel, noch einmal erreichen wir, fast unmerklich, eine Höhe von über 270 m und noch einmal geht es über eine Hochebene, die ein wenig an Schottland erinnert, aber auch ein wenig an die Kammregion des heimatlichen Erzgebirges - nur dass man hier schon bald wieder das Meer zu sehen bekommt.
Das Wetter ist am nächsten Tag schöner und so beschließen wir, noch eine Runde Inishowen ranzuhängen. Wir beginnen mit der Insel Inch und kommen durch legendenschwangere Baumtunnel bis zu einem Aussichtspunkt, von dem aus wir unseren vorletzten Wohnort Rathmullan überblicken können - und wir sehen die Fähre über das Loch Lúilí.
Weiter geht es zum An Grianán Ailigh, einem Ringfort mit einer wirklich unglaublichen Aussicht über die Halbinsel, von hier aus kann man beide Lochs sehen, die Inishowen umschließen.
Der anschließende Besuch im Besucherzentrum des alten Glaubens ist etwas enttäuschend. Zwar finden wir das Zentrum in einer alten Kirche, diese gehört aber inzwischen zu einem Hotel. Ein freundlicher Angestellter lässt uns auch ein: No Problem. Leider stehen nun zwischen den Schautafeln eingedeckte Tische und da die Ausstellung nur noch "Rahmenprogramm" ist, fehlen auch ein paar Details bzw. sind die ganzen interaktiven Teile abgeschaltet. Sehr schade. Das, was wir sehen können, ist hochinteressant und zeigt die Geschichte der alten Religion der Druiden und die Christianisierung derselben sowie interessante Aspekte der Legenden - auch zum Stone of Scone ist da etwas zu lesen, nach der irischen Legende stammt der ursprünglich aus Irland (was zumindest auf den real existierenden Stein nicht zutrifft). Es wäre aber wirklich schön gewesen, wenn wir eine etwas besser funktionierende Ausstellung vorgefunden hätten.
Stattdessen vollenden wir den Inish 100, den wir am Vortag etwas abgekürzt hatten und fahren noch einmal ein paar Teile des Wild Atlantic Way in der entgegengesetzten Richtung (also gen Süden) und stoßen dabei auf eine irische Straßenbaustelle, wie wir sie auch im Süden (Italien oder Spanien) schon erlebt haben - es wird ohne weitere Absperrung Teer und Splitt aufgebracht, man muss allenfalls ein paar Minuten warten, dann darf man auf der frisch gemachten Straße weiterfahren - No Problem - aber es knallt natürlich ordentlich unter den Kotflügeln und das noch etliche Kilometer, nachdem wir das Straßenbaufeld verlassen haben. Jetzt haben wir unsere Kotflügel grob sandgestrahlt und neu geteert....
Im Norden haben wir dann doch noch einen Blick auf Schottland - am Horizont ist tatsächlich eine schemenhafte Küstenlinie mit Bergen zu sehen - Schottland. Von hier aus soll dann die Christianisierung von Schottland gestartet sein (die Schotten erzählen es eher andersrum).
Damit haben wir unser Hauptziel geschafft: wir sind dem Wild Atlantic Way vom südlichen bis zum nördlichen Orakel - äh - Endpunkt gefolgt. Unsere Irland-Reise ist aber noch nicht beendet, wir haben noch vor in den Osten zu fahren - aber das ist eine andere Geschichte und soll (vielleicht) ein anderes Mal erzählt werden.
Andy aus C.
Silent Rider oder wie Lärm geplagte Mitbürger politischen Einfluss gewinnen
Etikettenschwindel oder politisches Erfolgsmodell
Zu allem was uns die Corona Pandemie beschert hat und möglicherweise noch bescheren wird, werden für uns Motorradfahrer voraussichtlich noch weitere Einschränkungen hinzukommen - sofern es nach den Vorstellungen einiger Landesregierungen und Parteien geht - die im Verlaufe des letzten Jahres auf den Weg gebracht wurden.
Bekanntlich wurde aus dem Bundesrat heraus die „Entschließung […] zur wirksamen Minderung und Kontrolle von Motorradlärm“ auf Antrag des Landes Nordrhein-Westfalen am 15.5.2020 beschlossen und an den Bundestag in seiner endgültigen Fassung zur weiteren Befassung weitergeleitet.
Die Fantasien der Initiatoren und der damit befassten Ausschüsse im Bundesrat reichen darin bis zum exklusiven Fahrverbot für Motorräder an Wochenenden und Feiertagen sowie einer Abkehr vom Schuldprinzip zu einer unmittelbaren Halterhaftung.
Ein wenig Einblick in die Entstehung dieser Vorlage ist bisweilen hilfreich, wenn man verstehen will was dahintersteckt und welche Interessen hier eigentlich zum Ausdruck kommen. Deshalb ein kurzer Abriss zur Entstehung der Entschließung und ihrer Bearbeitung in den Anschlusssitzungen. Nach der Beratung durch sieben Fachausschüsse waren aus schlichten drei Punkten ganze Zehn geworden.
Die ursprüngliche Initiative des Landes Nordrhein-Westfalen, mit einem lediglich drei Punkte umfassenden Antrag Drucksache 125/20 „Entschließung zur wirksamen Minderung und Kontrolle von Motorradlärm“ vom 10.03.2020 wurde laut Minister Winfried Hermann (Baden-Württemberg) auf Initiative des Verkehrsministerium Baden-Württemberg zu einem umfassenden Forderungskatalog mit zehn Punkten erweitert.
Im Herbst bringt die Bundestagsfraktion Bündnis90/die Grünen im Bundestag zusätzlich noch einen eigenen Antrag ins Parlament ein und fügte dem noch weitere Restriktionsfantasien hinzu.
Kernpunkte dieser Entschließung sind mögliche Fahrverbote an Wochenenden und Feiertagen für Motorradfahrer, die Begrenzung der Lärmimission von Motorädern auf 80 Dezibel in allen Fahrzuständen und weitere skurrile Forderungen, wie z.B. die Beweislastumkehr für Halter von Motorrädern.
Bündnis90/die Grünen sind schon seit Jahren auf dieser Schiene politisch aktiv. Entsprechende Anträge bzw. Anfragen im Bundestag belegen dies. So kann man in einer kleinen Anfrage vom 04.04.2012 mit der Überschrift „Eindämmung von Motorradlärm“ einen sechzehn Punkte umfassenden Fragekatalog finden, der am Ende auf einschlägige Änderungen der StVO abzielt, welche bei Feststellung „unnötigen Lärms und vermeidbarer Abgasbelästigung“ eine Handhabe bieten würden, um zusätzliche Sanktionsmechanismen zu etablieren.
Diese Art der Anfrage finden wir in den Folgejahren mehrfach wiederholt, jedes Mal ist der Grundtenor der einleitenden Sätze derselbe wie man sie in den Verlautbarungen von SilentRider, anderen Umweltgruppen und Bürgerinitiativen findet.
Es wird ein Konflikt postuliert, der im Prinzip in einer Unvereinbarkeit von Ruhebedürfnis sowie Unversehrtheit bestimmter Regionen und dem Freizeitvergnügen respektive dem Lebensstil einer bestimmten Gruppe – der Motorradfahrer – kulminiert.
Der Zeitpunkt der „Entschließung“ ist geschickt gewählt, da der mediale Aufmerksamkeitsfokus gegenwärtig auf die Bewältigung ganz anderer und wesentlich wichtigerer Probleme gerichtet ist. Gegenwärtig sind wir aus gutem Grunde mehr mit der Bewältigung der Folgen von Corona Pandemie und Lockdowns beschäftigt.
Die Verteidigungsstrategien der jeweiligen Motorradfahrerverbände und Adhoc-Vereinigungen blieben hingegen auffallend defensiv. Deren Strategien beschränken sich ihrerseits im Wesentlichen reflexhaft auf die Aussonderung und Sanktionierung sogenannter schwarzer Schafe, die man einer Regelverletzung bezichtigen konnte. Ob die lautstarken Demonstrationen hilfreich waren muss sich noch herausstellen.
Entsprechend hämische Kommentare waren sofort da. Die Reaktion des BVDM beschränkte sich im Übrigen auf die Forderungen nach mehr Kontrolle, Kontrolle und nochmals Kontrolle. Auch die Biker Union konnte nicht wirklich gegenhalten. In der Öffentlichkeit ist diese und die von ihr dominierte MID vielmehr nahezu unsichtbar geblieben. Vielmehr machten sich vermehrt adhoc gebildete neue Interessenvertretungen bemerkbar.
Es sind immer die berühmten schwarzen Schafe, auf die sich trefflich mit dem Finger zeigen lässt. Unterstellt wird diesen dann ein nicht hinnehmbarer Regelbruch. Und wie es die Eigenart einer Regelverletzung ist, wer sich nicht an die Regeln hält, ist ein Betrüger und hat das Spiel zu verlassen. In den Papieren wird dieser Zusammenhang mit einer Analogie zum Dieselskandal explizit hergestellt. Damit werden die Hersteller und die Verbraucher gleichermaßen skandalisiert.
Regelbruch und Normerfüllung, zwei völlig unterschiedliche Dinge, doch immer wieder miteinander vermengt.
Eigentlich haben wir es genau genommen bezüglich der Lärmproblematik gar nicht mit einem technischen Problem zu tun, denn ein solches lässt sich innerhalb eines technisch machbaren Rahmens lösen. Vielmehr muss ist in der Auseinandersetzung ein Defizit bzw. sind Differenzen betreffs sozialer Normen zu konstatieren.
Sinnfällig wird das Problem, wenn mit jenen, die als problematisch oder störend empfunden werden nicht mehr auf Augenhöhe diskutiert wird, weil die Gesprächsgrundlagen unterschiedliche sind.
In einer Studie für die Tiroler Landesregierung, die unter anderem als Grundlage für die Forderungen der Grünen als auch des BUND fungiert, kommt dies sehr deutlich zum Ausdruck, so folgern die Autoren in ihrem „Fazit zu Besonderheiten der Störung durch Motorräder“ dass: „Die ganz besondere Belästigungsreaktion, die von Motorrädern an sich hervorgerufen wird, [..] stärker noch als im Falle anderer Lärmquellen nicht allein dem Schalldruckpegel geschuldet [ist], sondern von einer Vielzahl von Faktoren bestimmt: Die Geräuschcharakteristik ist dabei zweifellos mitentscheidend: Besonders hochtourige, sehr plötzlich auftretende Geräusche wirken alarmierend, während tieferfrequente, gleichmäßige Tonalität nicht diesen aggressiven Eindruck vermitteln. In diesem Zusammenhang zeigen sich auch die Verbindungen zu anderen Aspekten, wie etwa dem unterstellten oder auch tatsächlich gegebenen andersartigen Fahrverhalten, das auch durch die Geräuschcharakteristik mitgeprägt wird. Motorrädern wird von einer großen Mehrheit der Befragten – auch in Zusammenschau mit anderen Variablen – ein aggressiveres Verhalten im Straßenverkehr vorgeworfen als anderen Verkehrsteilnehmerinnen und –Teilnehmern.“
Die Klage über die Belästigung durch Motorradlärm folgt typisch einer Skandalisierungslogik auf Seiten der Beschwerdeführer und lässt uns Motorradfahrer in einer Beziehungsfalle zurück. Das Perfide daran ist, dass - wenn erst einmal in Gang gesetzt – dies eine eigene Dynamik entwickelt, in deren Folge der Skandal „gegensätzliche Ansprüche auf Geltung von Normen“ in Bewegung setzt.
Der Skandal wird schließlich zum gesellschaftlichen Ort zur Durchsetzung möglichst disparater Interessen.
Beleg hierfür ist zum Beispiel das Fazit eines Gesprächs zwischen Vertretern „Initiative Motorradlärm“ des Ostalb Kreises und der Biker Union im vergangenen Sommer, in dem es dann heißt „Die Gesprächsteilnehmer waren sich einig darüber, dass es um gegenseitige Rücksichtnahme und ein gutes Miteinander gehe. Dazu müssten auch die Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer ihren Beitrag leisten. Hier wollen die Vertreter des runden Tisches ansetzen und gemeinsame Lösungen finden.“ Dass wir Motorradfahrer unseren Beitrag leisten müssen und werden, kann man ohne Probleme unterschreiben. Doch fragt man sich, was die Gemeinden – also die Beschwerdeführer - als Beitrag leisten wollen. Da bleibt man besser unkonkret, worin aber – stellt sich die Frage - soll die Gemeinsamkeit der postulierten Lösung bestehen.
Das Problem für die Community der Motorradfahrer liegt, das wird perspektivisch anhand solcher Vereinbarungen, zu einer äußerst schwachen Position eines Angegriffenen, denn sie erlaubt es dem Angreifer dessen Position auf Dauer zu skandalisieren.
Aber warum gibt es dieses Manko für uns Motorradfahrer überhaupt? Mit Sicherheit liegt das im Selbstverständnis vieler Motorradfahrer, bedienen die meisten von Haus aus schon das Skandalticket durch ihr eigenes Verhalten, ihren Auftritt und Gebaren.
Sie stellen sich selbst oftmals als diejenigen dar, die jenseits des Mainstreams ihre Freizeit verbringen. Sie unterstreichen ihre größere Risikobereitschaft oder einen zur Schau getragenen eigenen Habitus. Äußerlichkeiten wie Motorradmontur oder Kutte sind mitunter auch Zeichen der Selbstausgrenzung.
Damit begeben sich Motorradfahrer auf einen verhängnisvollen Weg der Selbstmarginalisierung. Selbstbild und Fremdwahrnehmung fallen insofern notwendig auseinander. Die Differenz könnte nicht größer sein und infolgedessen steht es schlecht um den politischen Einfluss.
Typische Zeitungsmeldungen wie „Motorradfahrer demonstrieren lautstark für Krach“.
Mit solcherart Verurteilung von Teilen der Motorrad Gemeinde, mit den Attributen Krachmacher, Raser oder schlicht schwarze Schafe, d.h. die Absonderung von Teilen der Gemeinde verhindert eine Diskussion über das eigentliche Problem, da der Rest der Motorrad Fahrer sich entweder mit den Bezeichneten solidarisieren muss oder auch mit dem Finger auf diese zu zeigen hat, will man sich nicht auch gleichermaßen ausgrenzen, die Zuordnung zu den Marginalisierten erfolgt dann automatisch von außen. Wer sich nicht ausdrücklich distanziert ist selbst schuld und braucht sich nicht wundern gewahr zu werden, dass man die Finger der Klagenden auf sich selbst gerichtet wahrnimmt.
Wenn man in die Gedankenwelt und Vorstellungen mancher „fortschrittlich-umweltbewegten Mobilitätsexperten/in*“, eintaucht und sich genauer ansieht was dort zur Grundlage einer zukünftigen Welt gemacht wird, dann bewegt man sich zwangsläufig auf eine getaktete, verwaltete und durchkalkulierte Welt zu.
Die Vorstellung von einem rein zweckmäßigen Motorradfahren ist jedoch an sich schon widersprüchlich, denn schließlich ist es die Eigenart der unmittelbaren Erfahrung des Motorradfahrens, die unserem Hobby eigen ist. Motorrad fahren ließe sich mit anderen Worten auch als gefühltes Leben charakterisieren.
Motorrad fahren entspricht ja der unmittelbaren Erfahrung des vollen Lebens. Es entzieht sich in seiner Unmittelbarkeit jedem Versuch zweckorientierter rationaler Begründung, daher ist das Motorradfahren für Außenstehende auch so schwer zu verstehen.
Man kann auch sagen, mit dem Motorradfahren ist es wie mit dem Essen, man muss davon kosten, um es zu verstehen, um zu wissen, wie es schmeckt. Erst mit dem erleben wird es verständlich. Eine Annäherung durch schöne Bilder oder Berichte ist allenfalls oberflächlich, wer kann schon den Geschmack eines hervorragenden Gerichts angemessen wiedergeben.
Und zum Schluss noch als abschließende Bemerkung, eines sollte wohl klar sein, die Grundlage unserer Kultur ist durch das Streben nach Glück und einem schönen Leben bestimmt.
Und das Projekt des schönen Lebens entspricht mitunter der Absicht, äußere Umstände dahingehend zu manipulieren, zu verändern, anzuordnen, dass sie - gemäß ihrer Funktionalität - den Glückserwartungen und Vorstellungen entsprechen und nicht andersherum.
Ralph Hutwelker